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Broadway Melody

2017, Zeichentrickfilm, 3'47'', Holzguckkasten mit Spiegelboden

Stepptänzer: Daniel Borak

Ausstellungsansicht: Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich 2017, Helmhaus Zürich

"In „Broadway Melody“ widmet sich Julia Bodamer erstmals dem Genre des Zeichentrickfilmes. Dafür greift sie auf die Tanzszene „Begin the Beguine“ mit Fred Astaire und Eleanor Powell aus dem Filmmusical „Broadway Melody of 1940“ (1940) zurück. Sie extrahiert die Einzelbilder (Frames) der Filmsequenz und zeichnet sie mit schwarzem Filzstift auf Papier einzeln nach. Bei einer Bildfrequenz von 24 Einzelbildern pro Sekunde entstehen rund 3000 Zeichnungen, die anschliessend fotografiert und in ihrer chronologischen Abfolge wieder in das Bewegtbild überführt werden. Zusammen mit einem Stepptänzer entwickelt Julia Bodamer eine Tonspur aus Steppschritten, die das visuelle Filmbild räumlich erfahrbar macht und gleichzeitig einen Moment der Irritation schafft: Zu hören sind nicht die Steppschritte der beiden Tänzer, sondern die eines weiteren, eines dritten Tänzers, der zu ihrem Tanz improvisiert. Die Spannung, die dadurch entsteht, äussert sich in den scheinbaren Synchronizitäten der visuellen und auditiven Ebene. Mal wirken sie kongruent, mal driften sie eindeutig auseinander. Durch seine eindringliche Präsenz schafft der Ton eine Brücke in die Gegenwart, während das Filmbild auf Vergangenes verweist. Auch der Guckkasten, in dem der Film gezeigt wird, verbindet sich mit dem filmhistorischen Kontext. Die Spiegelung der Projektion, die durch den verglasten Boden des Guckkastens entsteht, bezieht sich ein weiteres Mal direkt auf die Szene „Begin the Beguine“, in der Fred Astaire und Eleanor Powell auf einer Spiegelbühne tanzen. 

In „Broadway Meldoy“ seziert Julia Bodamer den Film in seine Grundstruktur - die Einzelbilder - um diese anschliessend wieder in das Bewegtbild überzuführen. Die Zeichnung dient ihr dabei als Instrument der Analyse und ist gleichzeitig ein Mittel der Aneignung und Abstraktion, das eine Distanz zur konkreten filmhistorischen Referenz schafft."  

Text zur Ausstellung Werk- und Atelierstipendien der Stadt Zürich 2017